Mikrofone sinnvoll nutzen!

Was ist ein Mikro und wie kann man es sinnvoll nutzen?

Einsteigerwissen für die Mikrofonpraxis

Mikrofone sind Wandler. Ihre Aufgabe ist es akustische Energie, also Schall, in elektrische Energie, Strom, umzuformen. Das geschieht meist über eine Membran mit Spule oder ein Bändchen, welche sich in einem magnetischen Feld bewegt. Über Induktion wird Stromfluss erzeugt. Da dieser sehr gering ist, musst Du das Mikrofon über einen im Mischpult eingebauten Vorverstärker auf den Arbeitspegel des Pults bringen. In den meisten Fällen ist dieser Regler mit „Gain“ bezeichnet. Die Verbindung zwischen Mikrofon und Pult wird über ein XLR-Kabel hergestellt.

Im Studio und in der Livetontechnik sind meist drei Arten von Mikrofonen im Gebrauch. Das Dynamische-, Kondensator- und Bändchenmikrofon. Dynamische Mikrofone bedienen sich zur Wandlung einer Membran an der eine Tauchspule befestigt ist. Versetzt Schall die Membran in Schwingung bewegt sich die Tauchspule im Feld eines Permanentmagneten. Dadurch wird über Induktion Stromfluss erzeugt. Dieser Mirkofontyp ist sehr robust und deswegen in der Livetontechnik beliebt. Zudem erzeugen diese Mikrofone wegen der schwereren Membran weniger Feedbacks, also Pfeifen. An lauten Instrumenten wie Schlagzeug und E-Gitarren finden sie durch ihre hohe Unempfindlichkeit gegenüber lauter Schallquellen oft Einsatz. Auch sind sie meist sehr gut im Abbilden des Bassbereiches.

Kondensator Mikrofone wandeln den Strom über zwei hauchdünne, leitende Flächen, welche in minimalem Abstand zueinander parallel stehen. Eine der Beiden ist beweglich, die andere starr. Ohne eine Stromquelle funktionieren diese Mikrofone nicht. Daher haben sie entweder ein eingebautes Batteriefach, oder werden über die Phantomspeisung des Mischpultes mit Strom versorgt. Damit ist der Taster mit der Aufschrift +48V gemeint. Durch den Strom, welcher an den beiden Kondenstorplatten anliegt, baut sich ein Feld auf. Versetzt man mit Schall die bewegliche Seite in Schwingung, ändert sich der Abstand der Platten zueinander stetig. Die somit entstehende kapazitive Änderung des Feldes erzeugt einen Stromfluss, welcher die Schallwellen repräsentiert. Kondensator Mikrofone tauchen häufiger im Studio auf. Es gibt sie als Kleinmembran und Großmembran Kondensatoren. Da die Membran dieser Mikrofone allgemein leichter ist als die der dynamischen, haben sie eine größere Impulstreue. Sie reagieren also schneller und empfindlicher auf Schall. Man kann sie im Studio für so ziemlich jede Schallquelle benutzen, häufigen Einsatz finden am Gesang. Live pfeifen sie leichter, sind aber sehr oft als Overheads oder Mikro für die HiHat zu finden.

Bändchenmikrofone sind auch dynamische Mikrofone. Die Membran schwingt in einem permanenten Magnetfeld. Da das Mikrofon statt der Spule und der Membran nur aus einem Bauteil, dem Bändchen, besteht, ist es sehr empfindlich. Es muss weniger Masse in Bewegung versetzt werden. Vorsicht, der Magnet ist ziemlich stark. Man sollte das Mikrofon also nicht in die Nähe von Tonbändern, Festplatten oder EC Karten legen. Auch darf man niemals die Phantomspeisung einschalten, da sonst das Bändchen kaputt geht. Die heutigen Bauweisen sind zwar um einiges stabiler als die alten, trotzdem ist das Mikro sehr anfällig gegenüber Beschädigungen. Du solltest es also nicht fallen lassen. Es hat aber dennoch seine absolute Berechtigung in Tonstudios, da es eine sehr gute Impulstreue hat und den Bassbereich angenehm warm abzeichnet. Eine tiefe Männerstimme sollte damit sehr weich und kräftig klingen.

Andere Typen und spezielle Bauarten finden zudem noch ihren Einsatz. Das Grenzflächen Mikrofon beispielsweise, welches eine Kugel ist die man direkt auf den Boden legt oder es an die Wand hängt. Lavalier Mikrofone, auch bekannt aus dem Filmbereich als Ansteckmikros. Auch müssen natürlich Mikros in Mobilfunkgeräten oder Laptops verbaut werden. Diese Typen genau zu erläutern übersteigt aber diese Einsteigerskript.

Mikrofone unterliegen verschiedenen Richtcharakteristiken. Sie nehmen also in eine bestimmte Richtung auf. Diese ist entweder bauartbedingt vorgegeben oder lässt sich umstellen.

 Kugel  Niere  Acht

Kugel
Nimmt von allen Seiten auf

Niere
Bekommt am wenigsten Signal von hinten

Acht
Nimmt am wenigsten zu den Seiten auf

Oben siehst Du die häufigsten Arten welche im Studio und Live verwendet werden. Die Niere gibt es noch als breite Niere. Zusätzlich existiert die Hyperniere, welche etwas nach hinten aufnimmt. Am unempfindlichsten ist sie von schräg links und rechts hinten. Die Keule, welche auch als Richtmikrofon bezeichnet wird, da sie nur sehr extrem in eine Richtung aufnimmt, findet man häufig als Angelmikrofon im Film oder zu Interviewzwecken in Gebieten mit sehr lauten Nebengeräuschen.

In welche Richtung ein Mikro seine Haupteinsprechrichtung hat lässt sich den Datenblättern entnehmen. Solche werden mit jedem Mikrofon mitgeliefert. Du solltest lernen diese Datenblätter richtig zu lesen.

Für die Wahl des richtigen Mikrofons solltest du dir folgende Fragen stellen:

  • Art der Signalquelle: Geräusch, Sprache, Gesang, Instrument, Atmo …
  • Ist die Signalquelle laut oder leise?
  • Klingt sie hoch, tief oder breitbandig?
  • Wo wird das Mikro eingesetzt?: Im freien (laute oder leise Umgebung), auf einer Bühne, im Studio, großer oder kleiner Raum, gute oder schlechte Akustik, Fußballstadion …

Die Mikrofone eines Tontechnikers sind wichtige Werkzeuge, welche er kreativ einsetzten kann. Daher ist es immer wichtig, dass Du dein Equipment gut kennen lernst. Versuche beispielsweise ein und die selbe Schallquelle mit unterschiedlichen Mikrofonen aufzunehmen und höre auf die Unterschiede. Du wirst erstaunt sein. Oftmals ergibt sich auch mit einem Mirko, welches am Papier für die Art der Schallquelle nicht geeignet zu sein scheint, ein spannender Sound.